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Mehrwert des digitalen Lernens entsteht nur durch die Einbettung in ein pädagogisches Gesamtkonzept

„Einsatz digitaler Medien in der Qualifizierung Benachteiligter“ - Fachtagung von Praxis GmbH und LAG Arbeit in Hessen e. V. fand am 22.10.2019 in Marburg statt

 PDF Nachbericht Fachtagung (mit Bildmaterial)

Der Einladung der Praxis GmbH und der LAG Arbeit in Hessen e. V. waren 156 Teilnehmer*innen aus Hessen und dem Bundesgebiet gefolgt. Vertreten waren insgesamt 80 Organisationen: Unternehmen, gemeinnützige Einrichtungen und Vereine, öffentliche Institutionen, Schulen und Universität, Kommunen und das Hessische Ministerium für Soziales und Integration. Sie alle teilten das Interesse an Input und Austausch zum Thema Einsatz digitaler Medien in der Qualifizierung benachteiligter Zielgruppen. Im voll besetzten großen Tagungssaal des Technologie- und Tagungszentrums Marburg (TTZ) erwartete die Teilnehmer*innen ein vielseitiges Programm mit Vorträgen u.a. zu unterschiedlichen digitalen Lernplattformen und pädagogischen Ansätzen, praktisches Ausprobieren und Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch.

Gerlind Jäckle, Geschäftsführerin der Praxis GmbH und Vorstandsmitglied der LAG, eröffnete die Fachtagung: „Wir freuen uns sehr, dass unsere Einladung auf so große Resonanz gestoßen ist. Dies zeigt, wie wichtig und aktuell das Thema Digitalisierung in der Arbeit mit benachteiligten Zielgruppen ist. Wir wollen heute voneinander lernen und Chancen und Grenzen der Digitalisierung in unserer Arbeit entdecken.“

Der Auslöser, eine Fachtagung zum Einsatz digitaler Medien in der Qualifizierung Benachteiligter zu organisieren, war das Projekt Kompetenz-Inseln der Praxis GmbH: Im November 2017 gestartet, gefördert durch den Europäischen Sozialfonds (ESF) im Rahmen des Programmes „Impulse der Arbeitsmarktpolitik – IdeA“, bietet das Projekt begleitetes E-Learning im Arbeitsprozess für langzeitarbeitslose Menschen, insbesondere solche mit nur geringen Deutschkenntnissen oder Analphabet*innen. Diese sind im Rahmen von Arbeitsgelegenheiten bei der Praxis GmbH beschäftigt und erhalten an digitalen Tablet-Stationen – den Kompetenz-Inseln – in den Gewerken und Abteilungen Unterstützung bei der Einarbeitung in ihre neuen Aufgaben. Der Titel der Fachtagung „Mal was Neues…“ stamme von einer Teilnehmerin, so Jäckle. Natürlich sei Digitalisierung nichts grundsätzlich Neues, für lange arbeitslose Menschen im Zusammenhang mit Arbeit jedoch durchaus und damit ein wichtiger Qualifizierungsaspekt.

Jäckle dankte dem Hessischen Ministerium für Soziales und Integration für die Finanzierung des Projektes und für die stets sehr gute Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Des Weiteren richtete sie ihren Dank an den Landkreis Marburg-Biedenkopf, Fachdienst Integration und Arbeit (KreisJobCenter), der das Projekt durch Kofinanzierung ebenfalls erst möglich mache und an die Sparkasse Marburg-Biedenkopf, die ihren Roboter Numi für die Veranstaltung zur Verfügung gestellt hatte. Bawer Hussein, Auszubildender bei der Sparkasse Marburg-Biedenkopf und ehemaliger Teilnehmer des ESF-Projekts „Bleib in Hessen II“, das berufliche Eingliederung und Integration für Bleibeberechtigte und geflüchtete Menschen bietet, nutzte spontan die Gelegenheit, sich beim Team der Praxis GmbH zu bedanken. Die Betreuung durch Bleib habe es ihm erst ermöglicht, einen Ausbildungsplatz zu finden und anzutreten.

Anschließend übergab Jäckle an Dr. Christian Mittermüller, Referent im Referat Hessische Arbeitsmarktintegration und -förderung des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration. In seinem Impulsvortrag gab er einen Überblick darüber, wie Digitalisierung als Bildungs- und Integrationsinstrument genutzt werden kann – sowohl in den Jobcentern als auch im Rahmen von Qualifizierungs-Projekten für Benachteiligte. Ein besonders erfolgreiches Beispiel sei das aus dem ESF-Programm „IdeA“ geförderte Projekt „Joblinge – digital aufholen“, das den Einsatz digitaler Lernmedien für benachteiligte Jugendliche mit dem Erwerb digitaler Kompetenzen und einer Berufsorientierung im ITK-Bereich verbinde. „Nahezu jedes Berufsbild wird sich durch die Digitalisierung wandeln, und wir müssen die Zielgruppe benachteiligter Menschen darauf vorbreiten. Es gilt, die vorhandenen Ängste ernst zu nehmen – und gleichzeitig die enormen Bildungs-Chancen, die Digitalisierung bietet, für die Zielgruppe nutzbar zu machen“, so Mittermüller. Verschiedene Projekte aus der Hessischen Arbeitsmarktförderung hätten gezeigt, dass der Einsatz digitaler Medien die Lernbereitschaft und den Lernerfolg steigern könne. Dabei dürfe die Technik nicht als Selbstzweck betrachtet werden. Der qualifikatorische Mehrwert des digitalen Lernens entstehe erst durch die Einbettung in ein schlüssiges pädagogisches Gesamtkonzept. „Digitale Medien können immer nur eine Ergänzung, niemals ein Ersatz für die Arbeit von Pädagoginnen und Fachanleitern sein“, betonte Mittermüller.

Prof. Dr. Bernd Käpplinger von der Justus-Liebig-Universität Gießen, Institut für Erziehungswissenschaft, Professur für Weiterbildung, gab in seiner Präsentation kurzweilige Einblicke in die gegensätzlichen Haltungen von „digitalen Wanderpredigern und Technikfeinden“ – von der Einführung der Dampflok bis heute. Sein Fazit: Der Einsatz digitaler Medien muss zeitnah begleitet, erforscht und die Erkenntnisse gesammelt werden. Dabei sei es wichtig, immer neugierig zu bleiben und bereit zu sein, sich auch zu irren.

Im folgenden Vortrag des Projektteams Kompetenz-Inseln der Praxis GmbH erhielt das Fachpublikum einen detaillierten Einblick in die Entstehung und Umsetzung des Projekts – von der EDV über die didaktische Entwicklung bis zur Lernbegleitung und pädagogischen Arbeit. Auch hier wurde deutlich, dass die Projektteilnehmer*innen von den digitalen Selbstlernmodulen besonders deshalb profitieren, weil sie von den pädagogischen Fachkräften der Praxis GmbH kontinuierlich begleitet und unterstützt werden.

Zum Abschluss des Vortrags führte Gerlind Jäckle ein kurzes Interview mit Florian Fischbach, Geschäftsführer des Marburger Gebäudereinigungsunternehmens Fischbach GmbH. Der Betrieb kooperiert im Rahmen der Kompetenz-Inseln mit der Praxis GmbH – gemeinsam wurde ein Modul entwickelt, mit dem sich ungelernte Kräfte und Quereinsteiger in die Grundlagen der Gebäudereinigung einarbeiten können.

Einblick in das Thema selbstgesteuertes Lernen mit mobiler App gaben anschließend Karin Wyschka, Koordination beschäftigungsfördernde Maßnahmen im Sozialdezernat der Wissenschaftsstadt Darmstadt und PD Dr.-Ing. Christoph Rensing vom Hessian Telemedia Technology Competence Center httc e.V., TU Darmstadt. Im Rahmen des am 01.01.2019 gestarteten Projekts „SmartDeutsch“ (ebenso wie die Kompetenz-Inseln gefördert durch den Europäischen Sozialfonds im Rahmen des Programmes „Impulse der Arbeitsmarktpolitik – IdeA“) können sich Teilnehmende aus benachteiligten Zielgruppen mit Hilfe der Smartphone-App berufliche Grundlagenqualifizierungen (z.B. Logistik, Gastronomie, Pflege) erarbeiten, immer verbunden mit fachbezogener Sprachförderung, mit dem Ziel, ihre Beschäftigungschancen zu verbessern. Gemeinsam präsentierten sie erste Erkenntnisse nach einem dreiviertel Jahr Projektlaufzeit: Auf individuelle (selbstgesteuerte) Bearbeitung der Lernaufträge müssten die Lernbegleiter*innen hinarbeiten und darauf beharren. Und man müsse akzeptieren, dass es auch Teilnehmer*innen gibt, die nicht für das Lernen mit der App gewonnen werden können.

Nach der Mittagspause, bei der die Gelegenheit zum fachlichen Austausch rege genutzt wurde und zahlreiche Teilnehmer*innen sich mit Roboter Numi unterhielten, ging es weiter mit einem Vortrag von Monika Otte, Geschäftsführerin der BAFF-Frauen-Kooperation gGmbH aus Darmstadt. Sie berichtete aus der praktischen Arbeit mit der digitalen Lernplattform Ilias. Hier können sich Teilnehmende in Arbeitsgelegenheiten (in hauswirtschaftlichen und gastronomischen Arbeitsfeldern) Qualifizierungsinhalte erarbeiten: fachpraktische Unterweisung, berufsbezogene Sprachförderung, Fachtheorie und das Absolvieren von Qualifizierungsbausteinen. Die Vision sei dabei, dass bildungsferne Zielgruppen bei BAFF eine regelmäßige, routinierte und selbstverständliche Teilhabe an digitalisierten Lernformen und -methoden erhalten. Eines ihrer Fazits: Das Arbeiten mit Lernplattformen entspricht einer binnendifferenzierten und gendersensiblen Lernmethode. Interessant zu beobachten sei dabei, dass Frauen eher in Gruppen an die Arbeit mit der digitalen Plattform herangehen, Männer lieber einzeln. Bei ihnen stehe nicht die Kooperation, sondern der Wettbewerb im Vordergrund.

Miriam Hedtmann von der LAG Arbeit in Hessen zeigte nun gemeinsam mit Jan Peipe, Prozubi GmbH, die Chancen und Grenzen des Einsatzes von E-Learning-Plattformen in der außerbetrieblichen Ausbildung benachteiligter Jugendlicher auf. Im September 2017 startete das LAG-Pilotprojekt „Blended Learning in der außerbetrieblichen Ausbildung“. Die Idee: eine eigene E-Learning-Plattform für außerbetriebliche Ausbildung von benachteiligten Jugendlichen entwickeln lassen, konkret für die Ausbildung zum Verkäufer / zur Verkäuferin. Die Auswahl sei dann auf Prozubi gefallen, denn dort würden alle prüfungsrelevanten Themen des Rahmenlehrplans der Ausbildung zum Verkäufer / zur Verkäuferin (und weitere kaufmännische Berufe) abgebildet. 2018 nahmen insgesamt 21 LAG-Mitglieder an dem Pilotprojekt teil, fast alle Ausbilder*innen in dem Pilotprojekt hätten die Nutzung der Plattform im Unterricht positiv bewertet. Wie bereits vielfach von den Vorredner*innen berichtet, habe sich auch hier gezeigt, dass die pädagogischen Fachkräfte der Schlüssel zum Erfolg sind. Hedtmann schloss mit einem Zitat einer Teilnehmerin: „Die Nutzung der Plattform stärkt nicht die Motivation, aber diejenigen die motiviert sind, werden gestärkt.“

Den letzten Vortrag der Fachtagung hielten Thomas C. Ferber und Dr. Armin Schriever von der Richtsberg-Gesamtschule in Marburg. Ferber forderte, unterhaltsam und auch durchaus provokativ: „Jetzt anfangen! Die Digitalität geht nicht mehr weg!“ Gefragt sei digitaler Enthusiasmus um den Jugendlichen Orientierung zu geben und dem immer größer werdenden „digital divide“ entgegenzutreten. Auch er sieht die konzeptionelle Verankerung und kompetenzorientierte Nutzung in multiprofessionellen Teams (schulisch, außerschulisch, in der Freizeit) als ein Muss bei der Nutzung digitaler Lernmedien. Dr. Schriever stellte im Anschluss die konkreten Gelingensbedingungen für das digitale Arbeiten an der Richtsberg-Gesamtschule vor: Neben der 1-zu-1-Lösung (alle Kinder haben ein eigenes Tablet) sei dies die Systemlösung (alle haben die gleichen Tablets) und das Mobile Device Management, d.h. die zentrale Verwaltung der Inhalte und Anwendungen. In der Schule nutze man die Tablets vor allem im Bereich der kognitiven Aktivierung, z. B.  für das Herstellen von Filmen, weniger als Lern- oder Testplattform.

Im Anschluss an die Vorträge und zum Abschluss des Tages kamen die Teilnehmer*innen bei einer aktiven Kaffeepause unter dem Motto „test and taste“ zusammen und konnten die digitalen Anwendungen selbst testen und sich nochmals austauschen und vernetzen.

Wer Interesse an weiterem Input zum Thema „Einsatz digitaler Medien in der Qualifizierung Benachteiligter“ hat, kann sich an Miriam Hedtmann wenden: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. Die LAG Arbeit in Hessen wird Workshops zum Thema anbieten.  

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Hintergrund-Informationen:

Europäischer Sozialfonds in Hessen: Der Europäische Sozialfonds (ESF) unterstützt in Hessen 15 Programme zur Förderung des lebenslangen Lernens und sozialer Inklusion sowie der Bekämpfung von Langzeit- und Jugendarbeitslosigkeit und von Armut. Dafür steht dem ESF in Hessen eine Fördersumme von 172 Mio. Euro für die Förderperiode 2014 – 2020 zur Verfügung. Mit diesen Mitteln werden Projekte gefördert, die mit innovativen und praxisnahen Maßnahmen hessische Bürgerinnen und Bürger bei der beruflichen Integration und Qualifizierung unterstützen.

Praxis GmbH: Gegründet am 19.05.1989 unter dem Namen "Marburger Recycling-Zentrum", ist  die Praxis GmbH von einem kleinen Beschäftigungsprojekt, in dem fünf langzeitarbeitslose Menschen eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme antreten konnten, zu einer gemeinnützigen Beschäftigungs- und Bildungsgesellschaft gewachsen, die im Jahr 1.500 Menschen aus der Stadt Marburg und dem Landkreis Marburg-Biedenkopf erreicht. Zu den Aufgaben der Praxis GmbH zählen die Beschäftigung, Qualifizierung, Ausbildung, Beratung und Vermittlung (langzeit-)arbeitsloser Menschen sowie die Förderung des Umweltschutzes, die Verbesserung des Wohnumfeldes und die Stärkung der regionalen Infrastruktur und des gesellschaftlichen Zusammenhaltes. Ziele der Arbeit der Praxis GmbH sind der Erhalt der Arbeitsfähigkeit und die Integration in Arbeit oder Ausbildung.

LAG Arbeit in Hessen e. V.: Die LAG Arbeit in Hessen e.V. ist ein Zusammenschluss gemeinnütziger Organisationen, die sich in der Jugendberufshilfe, der Beschäftigungs- und Arbeitsförderung, Qualifizierung und Weiterbildung betätigen.

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Für Fragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

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Judith Rudolf-Kohlhauer, Projektmanagement

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Auf dem Gelände der Praxis GmbH, Gisselberger Str. 33 

Der Flohmarkt findet jeden 3. Samstag im Monat von April-September auf dem Gelände der Praxis GmbH, Gisselberger Str. 33 statt, von 07:00 - 14:00 Uhr.

Die Termine für 2020 sind:

  • 18.04.
  • 16.05.
  • 20.06.
  • 18.07.
  • 15.08.
  • 19.09.

Der Vorverkauf für den jeweils nächsten Flohmarkt startet ab 08.00 Uhr während des aktuellen Flohmarktes. Anmeldungen für den ersten Termin sind ab dem 21.03.2020 vor Ort im Gebrauchtwarenkaufhaus möglich.

Herzliche Grüße, Ihr Flohmarkt-Team

   

 


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